Ein Lektorat ist keine Einbahnstraße
Du hast das magische Wörtchen ENDE unter dein Manuskript gesetzt oder stehst kurz davor und bist jetzt auf der Suche nach dem passenden Lektorat, um deinem Roman oder Kinderbuch den letzten Schliff zu verleihen?
Für viele Autor*innen ist das leichter gesagt als getan.
Dein Buch aus der Hand zu geben, ist schließlich keine Kleinigkeit, sondern ein großer und wichtiger Schritt. Und natürlich ist ein Lektorat mit gewissen Kosten verbunden. Umso wichtiger, dass sich die Investition am Ende auch für dich lohnt.
Deshalb bekommst du in diesem Beitrag eine geballte Portion Tipps und Anhaltspunkte, um genau den*die richtige*n Lektor*in zu finden und die gemeinsame Reise mit gutem Gefühl zu beginnen.
Schließlich umfasst ein Lektorat weit mehr als eine bloße Fehlerkorrektur oder drei Anmerkungen am Rand. Es ist eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei der dein*e Lektor*in ganz tief in deine Geschichte eintaucht und dir mit professionellem Blick zur Seite steht, um deinen Text gemeinsam mit dir inhaltlich und stilistisch rund zu machen.
Das Ganze ist keine Einbahnstraße und du wirst mit den Hinweisen aus dem Lektorat anschließend auch selbst noch weiterarbeiten. Deshalb profitierst du dann am meisten, wenn in der Zusammenarbeit alles stimmt und ihr von Anfang an ein gutes Team seid.
Welche Rahmenbedingungen dafür wichtig sind, schauen wir uns im Folgenden genau an. Außerdem erfährst du, wann ein Probelektorat sinnvoll ist und welche anderen Möglichkeiten du hast, um dir vorab ein Bild von einer möglichen Zusammenarbeit zu machen und dir die Entscheidung zu erleichtern. Und ganz zum Schluss verrate ich dir natürlich auch, auf welchen Wegen du deine*n Lektor*in finden kannst.
Worauf solltest du achten, um den*die richtige*n Lektor*in zu finden?
Damit du und dein*e Lektor*in gemeinsam das Beste aus deiner Story herausholt und du dich in der Zusammenarbeit rundum wohlfühlst, sollten ein paar Punkte unbedingt stimmen.
Neben fachlichen Kriterien spielen auch einige praktische Fragen und die menschliche Ebene eine große Rolle. Alle drei Bereiche schauen wir uns jetzt ein wenig genauer an:
1. Fachliche Kriterien
Zunächst einmal sollte dein*e Lektor*in natürlich die fachlichen Voraussetzungen erfüllen, um dein Manuskript sorgfältig und zuverlässig prüfen zu können. Das klingt zwar erstmal selbstverständlich, doch da Lektor*in keine geschützte Berufsbezeichnung ist und sich grundsätzlich von heute auf morgen jeder so nennen darf, ist es das leider nicht immer.
In der Vergangenheit sind immer wieder Manuskripte auf meinem Schreibtisch gelandet, für die die jeweiligen Autor*innen bereits ein anderes Lektorat beauftragt hatten und von den Resultaten enttäuscht worden sind. Und ja: Ein gutes Lektorat ist zum Teil auch eine Preisfrage. Denn wer ernsthaft lektoriert, macht das nicht zwischen Suppe und Kartoffeln, sondern nimmt sich die Zeit für eine intensive und gründliche Textarbeit und bildet sich außerdem selbstständig und kontinuierlich in den relevanten Fachgebieten fort.
Wer gerne und viel liest, ist nämlich nicht automatisch auch ein*e gute*r Lektor*in.
Deshalb ist es beispielsweise auch wichtig, Testlesen und Lektorat klar voneinander zu unterscheiden. Beides sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Eine Testleserunde ist super zur Ergänzung oder Vorbereitung auf ein Lektorat, kann dieses aber nicht ersetzen. Warum das so ist, drösele ich gern mal in einem eigenen Beitrag für dich auf. Entscheidend ist jedoch:
Zum Lektorieren gehört wesentlich mehr als die Liebe zu Büchern und zum Lesen, nämlich:
- entsprechendes Knowhow im Schreibhandwerk und in der Manuskriptbearbeitung,
- fundierte Genre-Kenntnisse
- und im Idealfall praktische Erfahrung.
Um diese fachlichen Punkte mit Leben zu füllen, lass uns hier ruhig noch etwas tiefer reinzoomen:
1.1. Know-how im Schreibhandwerk & in der Manuskriptbearbeitung
Was gehört eigentlich alles zum Handwerkszeug eines guten Lektorats?
Zunächst einmal braucht es Kenntnisse zum Storytelling bzw. Erzählhandwerk im Allgemeinen. Dein*e Lektor*in sollte beispielsweise wissen,
- wie ein Spannungsbogen funktioniert,
- was lebendige Figuren ausmacht,
- wie man das Setting einsetzt,
- wie man (auch abseits von Fantasy) Welten baut (Worldbuilding)
- und wie die Perspektive die Wirkung deiner Story beeinflusst.
Außerdem braucht sie*er ein Gespür für Figuren- & Erzählstimmen und für Sprache & Stil im Allgemeinen. Nur so kann sie*er dich gezielt dabei unterstützen, deinen Text zu schleifen, ohne dessen Charakter oder deine persönliche Handschrift zu verändern.
Hinzu kommen unter anderem:
- Sicherheit in Rechtschreibung, Zeichensetzung & Grammatik,
- Kenntnisse zu relevanten Formalia wie der Absatzgestaltung in Dialogen,
- praktische Grundlagen der Manuskriptbearbeitung in Textprogrammen
- sowie Branchenwissen aus der Buch- & Verlagswelt.
Und wie findest du heraus, ob jemand diese Qualifikationen besitzt?
Das ist tatsächlich ein bisschen knifflig, denn was viele nicht wissen:
Für Freie Lektor*innen gibt es keine geschützte mehrjährige Ausbildung, die einheitliche Standards sichert.
Anerkannte Zertifikate, etwa von der Akademie der Deutschen Medien (ADM) oder dem Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL), können dir als erster Anhaltspunkt dienen, ob sich jemand grundsätzlich mit dem Berufsfeld und dessen Anforderungen auseinandergesetzt hat.
Diese Kurse und Seminare vermitteln Berufseinsteiger*innen erste Grundlagen zur Textbearbeitung.
Aber niemand wird allein durch einen solchen Lehrgang über Nacht zum Profi – zumal diese allgemeinen Kurse meistens sehr breit ausgelegt sind und nicht allein auf erzählende Texte oder einzelne Genres abzielen. Die allgemeinen Zertifikatskurse liefern eher einen ersten Rundumblick, für Vertiefungen zu einzelnen Textarten gibt es darauf aufbauend zahlreiche kleinere und größere Fortbildungen.
Ein gutes Lektorat lebt deshalb insbesondere vom persönlichen Antrieb, tief in die Materie einzutauchen und das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten kontinuierlich zu erweitern.
Sollte ein Germanistikstudium nicht Standard sein?
Sagen wir so: Nicht unbedingt …
Ein Deutschstudium sagt für sich allein nicht viel über die Expertise eine*r Lektor*in aus.
Zumindest nicht, wenn es um gängige Genres in der Belletristik oder um Kinder- und Jugendbücher geht.
Ich selbst habe Germanistik studiert und weiß aus eigener Erfahrung, dass man im Studium normalerweise nur wenig lernt, das unmittelbar relevant für die Arbeit als Lektor*in ist. Da ich von Anfang an berufsbegleitend studiert habe, konnte ich die Veranstaltungen etwas gezielter wählen und so in Sachen Sprache oder Narratologie auch einiges für meine Arbeit mitnehmen, aber das ist nicht die Regel.
Im Studium wird Literatur in den meisten Fällen viel theoretischer und abstrakter betrachtet. Und von den wissenschaftlichen Inhalten ist nur wenig ganz direkt auf das Schreibhandwerk von Autor*innen zu übertragen, die heute die Herzen der Lesenden erobern wollen.
Lass dich bei der Wahl deine*r Lektor*in also nicht von einem fehlenden Abschluss in Germanistik abschrecken. Ein Studium ist aus meiner Sicht keine Grundvoraussetzung, um als Lektor*in gute Arbeit zu leisten.
Was uns zum nächsten Punkt bringt:
1.2. Erfahrung
Mit jedem Projekt wächst die Erfahrung und Sicherheit in der Manuskriptbearbeitung. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Deshalb lohnt es sich für dich als Autor*in natürlich auch, dich darüber zu informieren, an welchen Büchern dein*e potenzielle*r Lektor*in mitgewirkt hat.
Drei Sachen gebe ich dabei jedoch zu bedenken:
1. Ein*e Lektor*in hat nie die abschließende Entscheidung über einen Text.
Autor*innen steht es grundsätzlich frei, welche Empfehlungen und Vorschläge aus dem Lektorat sie übernehmen wollen, bzw. wie sie diese umsetzen. Ein fertiges Buch gibt deshalb nur bedingt Auskunft über die Qualität des Lektorats.
2. Jeder fängt klein an und braucht dann und wann einen Vertrauensvorschuss.
Erfahrung fällt nun mal leider nicht vom Himmel und kann nur entstehen, wenn wir sie auch sammeln dürfen.
Deshalb an dieser Stelle mein Plädoyer, auch neuen Lektor*innen eine Chance zu geben, wenn es sich ansonsten stimmig anfühlt. Auch Berufseinsteiger*innen können hervorragende Arbeit leisten, wenn sie sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt haben.
3. (Fehlende) Referenzen sind oft trügerisch.
Zwischen dem Lektorat und der Veröffentlichung eines Buches vergeht oft viel Zeit. Referenzprojekte von uns Freien Lektor*innen werden deshalb meistens erst sehr spät nach außen sichtbar und nicht immer wird unsere Beteiligung überhaupt offiziell angegeben. Beides kann den Eindruck über die bisherige Erfahrung verfälschen.
Einige Kolleginnen bringen auch Verlagserfahrung mit, was sehr wertvoll sein kann, weil sie die Branche gut kennen und in der Regel auch Erfahrung in der Manuskriptbearbeitung besitzen. Dabei kommt es allerdings auch darauf an, welche Aufgaben die Personen in ihrer Verlagszeit primär übernommen haben, denn Verlagslektor*innen sind fast immer auch Projektkoordinator*innen.
Die Manuskriptarbeit macht im Verlag oft nur noch einen geringen Arbeitsanteil aus und nicht selten wird die Textarbeit sogar an Freie Lektor*innen ausgelagert.
Was ehemalige Verlagslektor*innen in jedem Fall mitbringen, ist jedoch sicherlich der Einblick in Verlagsprozesse und oftmals auch eine gute Vernetzung innerhalb der Buchwelt.
Aber Achtung vor falschen Erwartungen:
Lektor*innen sind keine Literaturagent*innen.
Selbst wenn noch immer gute Verlagskontakte bestehen, werden ehemalige Verlagslektor*innen dein Projekt in der Regel nicht direkt an einen Verlag vermitteln oder entsprechende Kontakte herstellen. Die Aufgabenbereiche von Lektorat und Agentur sind nach wie vor sehr klar getrennt.
Praktische Erfahrung ist also insgesamt ein Kriterium, das du mit einer Extraportion Bauchgefühl betrachten darfst. Wenn alles andere stimmt, sollten geringe Erfahrung bzw. wenig Referenzen kein Ausschlusskriterium sein.
1.3. Genre-Kenntnisse & Spezialisierung
Niemand kann sich in allen Genres und Sparten gleich gut und vor allem gut genug auskennen. Eine Spezialisierung auf eine überschaubare Anzahl an Genres oder Buchsparten ist daher in der Regel ein Qualitätsmerkmal für Freie Lektor*innen. Denn nur wer die Genreanforderungen und Erwartungen der Zielgruppe kennt, lektoriert auch zielgerichtet.
Natürlich gibt es handwerkliche Basics wie das Prinzip Show, don’t tell (dazu schreibe ich sicher mal einen eigenen Beitrag), die genreübergreifend auf alle Erzähltexte anwendbar sind. Aber es gibt eben auch erhebliche Unterschiede je nach Genre und Zielgruppe.
Kniffe, die in einem Thriller für Gänsehaut und einen Pageturner-Effekt sorgen, wären in einem Bilderbuch für Dreijährige oder in einer gemütlichen Cozy Fantasy beispielsweise völlig fehl am Platz.
Eierlegende Wollmilch-Wolpertinger sind also auch in der Buchbranche zumindest mit Vorsicht zu genießen.
Wenn jemand wahllos jedes Genre und jede Textart lektoriert, lohnt sich meistens ein zweiter Blick und die eine oder andere Nachfrage mehr.
Und was, wenn du dir sicher bist, den*die perfekte Lektor*in für dein Projekt gefunden zu haben, aber das Genre passt auf den ersten Blick nicht?
Sprich die Person in dem Fall ruhig trotzdem an. In einem Gespräch könnt ihr gemeinsam schauen, ob ihr fachlich vielleicht doch zusammenfindet.
Denn nicht immer geben wir all unsere Kompetenzbereiche auf unseren Websites an.
Wer seinen Job ernst nimmt, wird dir auch ehrlich sagen, ob sie*er sich das Projekt fachlich zutraut.
Ich jedenfalls empfehle bei Anfragen, die außerhalb meiner Kompetenz liegen, immer gern geeignete Kolleg*innen mit entsprechender Spezialisierung weiter.
Das kommt dir und deinem Buch zugute und ich kann mich auf die Geschichten konzentrieren, mit denen ich mich besonders gut auskenne:
Kinderbücher, Jugendbücher & Young Adult und Romane aus den Genres Thriller & Krimi und Fantasy & Romantasy.
Wenn mich das Projekt anspricht und es menschlich passt, wage ich mich gelegentlich auch mal in die Welt von Romance und New Adult vor.
2. Praktische Fragen: Budget und Timing
Neben den fachlichen müssen natürlich auch die praktischen Rahmenbedingungen passen.
Allen voran:
2.1. Die Sache mit dem lieben Geld
Eins vorweg:
Ein professionelles Lektorat hat seinen Preis und das geht schlicht auch nicht anders, denn es handelt sich dabei um eine zeitintensive und anspruchsvolle Tätigkeit.
Die gründliche Lektoratsprüfung eines Romans von 300 Seiten nimmt pro Durchgang – je nach Ausgangsqualität des Textes – zwischen 45 und 100 Stunden in Anspruch. Diese Zeit darf und sollte fair vergütet werden.
Preise von 3 bis 4 € pro Seite, die teilweise sogar für volle Lektorate mit zwei Durchgängen aufgerufen werden, haben insofern entweder zur Folge, dass sich der*die Lektor*in selbst ausbeutet und umgerechnet unter Mindestlohn arbeitet oder aber dass die Arbeitsqualität zwangsläufig leidet. Und beides dürfte nicht in deinem Interesse sein.
Doch auch innerhalb eines vernünftigen Kalkulationsrahmens gibt es gewisse Preisunterschiede zwischen verschiedenen Lektor*innen und zwischen verschiedenen Lektoratsmodellen.
Lektorat ist nämlich nicht gleich Lektorat, daher empfehle ich dir, mit den potenziellen Dienstleistenden im Vorfeld abzuklären, was dir im Lektorat wichtig ist, und dich zu ihrem Angebot beraten zu lassen. Denn manchmal ist die Entscheidung für oder gegen eine Zusammenarbeit am Ende auch eine Preisfrage und das ist natürlich vollkommen in Ordnung.
Bei kleinem Budget gibt es neben vollen Lektoraten übrigens oftmals auch andere Möglichkeiten für eine professionelle, aber weniger zeit- und kostenintensive Unterstützung wie beispielsweise Teil- oder Schwerpunktlektorate oder ein Manuskriptgutachten bzw. Manuskriptfeedback auf übergeordneter Ebene.
Trau dich ruhig, danach zu fragen, selbst wenn du dazu nichts auf der Website deiner Wunschlektor*innen finden solltest.
Denn auch unabhängig vom Preis ist nicht immer der richtige Zeitpunkt für ein Lektorat. Wann ein Manuskript reif für das Lektorat ist und welche praktischen Überlegungen dabei neben der Textqualität eine Rolle spielen, werde ich in einem anderen Beitrag gesondert thematisieren.
Fakt ist aber:
Eine gründliche eigene Überarbeitung deines Manuskripts wirkt sich in jedem Fall positiv auf den Preis aus und ist vor einem Lektorat ohnehin unabdingbar.
2.2. Das richtige Timing
Etablierte Lektor*innen sind oft schon Monate im Voraus ausgebucht.
Beschäftige dich also möglichst rechtzeitig mit der Planung für dein Lektorat, um dir deinen Wunschtermin zu sichern und nicht allein aus Zeitgründen auf die passende Zusammenarbeit verzichten zu müssen.
So kann dein*e Lektor*in dir auch vorab schon Hinweise und Tipps an die Hand geben, die dir die eigene Überarbeitung vor dem Lektorat erleichtern.
3. Oft unterschätzt: Die menschliche Ebene
Bei allen fachlichen und praktischen Überlegungen darf eines nicht außer Acht bleiben:
Um gemeinsam das Beste aus deiner Story und deinem Text herauszuholen, hilft es enorm, wenn es zwischen euch passt.
3 Aspekte, die dabei eine Rolle spielen:
Sympathie:
Hast du Lust auf die Zusammenarbeit und das Gefühl, dass ihr auch zusammen lachen könnt? Fühlst du dich verstanden und ernstgenommen und kannst all deine Fragen ganz frei und ohne Bedenken loswerden?
Kommunikation:
Sprecht ihr dieselbe Sprache oder fühlt sich die Kommunikation krampfig und anstrengend an? Bekommst du transparent alle notwendigen Informationen oder bleibt zu viel unklar?
Arbeitsweise:
Matcht ihr hinsichtlich der Vorgehensweise für das bevorstehende Lektorat und die begleitende Kommunikation?
Manche Lektor*innen arbeiten (fast) ausschließlich schriftlich, andere bieten wie ich auch begleitende Beratungsgespräche per Videocall oder telefonisch an, um Aspekte zu vertiefen und bei Bedarf gemeinsam Lösungen für Plotprobleme oder Ähnliches zu finden.
Und auch im Hinblick auf die Menge und Ausführlichkeit von Kommentaren am Textrand gehen wir alle etwas unterschiedlich vor.
Lern deine potenziellen Partner*innen in Crime also im Vorfeld am besten ein wenig kennen und spür in dich rein, ob die Chemie zwischen euch stimmt.
Vertrauen ist letztendlich das A und O bei dieser intensiven Zusammenarbeit, die etwas so Persönliches und Wertvolles wie deine eigenen Geschichten betrifft.
Um die Zusammenarbeit zu testen, fragen viele Autor*innen daher auch ein Probelektorat an. Schauen wir also im nächsten Schritt einmal genauer hin, was du dabei bedenken solltest und welche alternative oder ergänzende Möglichkeit es gibt, um Kopf und Bauch Futter für deine Entscheidung zu liefern:
Probelektorat: Ja, nein, vielleicht?
Ein Probelektorat kann sinnvoll sein, um dir ein Bild von der Arbeitsweise zu machen und zu schauen, ob du mit den Anmerkungen und Änderungsvorschlägen der Person etwas anfangen kannst.
Geh dabei jedoch bitte nicht nach dem Gießkannenprinzip vor.
Einerseits schon allein aus Fairness gegenüber den Dienstleistenden, die oft kostenlos oder zu einem geringen Preis mit einem vergleichsweise hohen Zeitaufwand in Vorleistung gehen.
Vor allem ist ein sparsamer Umgang mit Probelektoraten aber auch in deinem eigenen Interesse:
Zehn verschiedene Lektoratsanmerkungen zu sichten und zu vergleichen, wird dir die Entscheidung für eine*n Lektor*in nämlich in der Regel nicht erleichtern. Eher im Gegenteil.
Da ein Lektorat neben der Berücksichtigung zahlreicher objektiver Kriterien aufgrund unterschiedlicher Vorerfahrungen immer auch eine kleine subjektive Note hat, bist du am Ende im schlimmsten Fall eher verunsichert als bestärkt.
Daher mein Tipp:
Such dir maximal drei Favorit*innen heraus, mit denen du dir eine Zusammenarbeit wirklich gut vorstellen kannst, und vereinbare vor einem (möglichen) Probelektorat ergänzend oder ggf. sogar alternativ ein Kennenlerngespräch. Das ist eigentlich fast immer möglich.
Der Vorteil: In einem Videocall merkst du sofort, ob ihr auf einer Wellenlänge seid, und kannst außerdem direkt all deine Fragen loswerden. Meiner Erfahrung nach ist der persönliche Austausch mehr wert als jede schriftliche Arbeitsprobe. Und wenn persönlich und in der Kommunikation alles stimmt, steht im Anschluss auch einem Probelektorat sicher nichts im Wege – falls das dann überhaupt noch nötig ist …
Bleibt nur noch die Frage:
Wo findest du eigentlich geeignete Lektor*innen?
Die kurze Antwort: Im Internet.
Für den Fall, dass du die schiere Masse an Suchmaschinen- oder KI-Ergebnissen ein wenig begrenzen und ein paar Leitplanken für deine Entscheidung einbauen willst, hab ich hier ein paar konkrete Anlaufstellen bzw. Vorgehensweisen für dich zusammengestellt:
1. Schau dich in der Buchbubble auf Instagram um
Instagram ist aus meiner Sicht die Social Media Plattform, auf der Lektor*innen am meisten unterwegs sind. Hier kannst du einerseits ihren Content verfolgen und schauen, ob es fachlich passt, und andererseits lernst du die Personen hier oft auch ein wenig persönlicher kennen als auf ihrer Website.
2. Nutze die Suchfunktion auf lektoren.de
Die Website www.lektoren.de wird vom Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) bereitgestellt und listet nur Lektor*innen des Verbands. Damit ist bereits eine kleine Qualitätshürde eingebaut, denn die Mitgliedschaft setzt ein paar Aufnahmekriterien voraus.
Der praktische Vorteil der Seite besteht außerdem darin, dass du hier nach Leistung (z.B. Lektorieren) und Arbeitsbereich (z.B. Belletristik oder Kinder-/Jugendbuch) filtern und zudem einen konkreten Suchbegriff eingeben kannst (z.B. das Genre, in dem du schreibst).
3. Empfehlungen anderer Autor*innen
Es ist super, wenn andere Autor*innen bereits gute Erfahrungen mit eine*r Lektor*in gemacht haben. Autor*innen sind da in der Regel sehr hilfsbereit und geben gern Auskunft. Wenn du selbst in der Buchbubble auf Instagram vernetzt bist, kannst du Instagram und das Thema Empfehlungen kombinieren und in deiner Story oder in einem Beitrag deine Community nach Lektoratsempfehlungen fragen. Dann kriegst du wahrscheinlich eine gute Auswahl zusammen.
Mein Bonustipp
Für den direkten Austausch mit anderen Autor*innen zum Thema Lektorat und allen anderen Themen, die das schönste Hobby der Welt so mit sich bringt, kannst du dich auch nach einem Stammtisch in deiner Nähe umsehen. In vielen größeren Städten gibt es Autor*innen-Netzwerke, die sich regelmäßig treffen.
Wenn du dich lieber bequem von zu Hause aus und trotzdem live mit anderen Schreibenden austauschen möchtest, bist du auch jederzeit herzlich eingeladen, bei meinen monatlichen kostenlosen Autor*innen-Treffs (online über Zoom) vorbeizuschauen.
Aktuelle Termine findest du hier. Schreib mir einfach eine Mail, dann nehme ich dich gern in den Verteiler auf und du bekommst die aktuellen Einladungen zu unseren Treffen immer frisch in dein E-Mail-Postfach.
Sobald du auf einem dieser oder auf anderem Weg eine kleine Auswahl an Lektor*innen zusammengestellt hast, die für dich und dein Herzensprojekt infrage kommen, kannst du dich auf ihren Websites weiter informieren und Kontakt für ein Kennenlerngespräch und/oder Probelektorat aufnehmen.
Long Story short
Jede Story ist einzigartig – genau wie die Connection zwischen Autor*in und Lektor*in.
Deshalb:
Nimm fachliche Kriterien ernst und mach dir rechtzeitig Gedanken über praktische Fragen wie Budget und Zeitplanung, aber hör am Ende auf dein Bauchgefühl.
Denn für eine erfolgreiche Zusammenarbeit muss es vor allem menschlich passen und über ein perfect Match entscheiden selten allein Qualifikationen und Referenzen.
Am Ende soll dein Buch glänzen, aber noch schöner ist es, wenn du dabei auch strahlst und in der Zusammenarbeit auf dem Weg zum fertigen Buch eine gute Zeit hast. Die Überarbeitung darf Spaß machen und mit der richtigen Begleitung an deiner Seite wird sie das ganz sicher.
Lern deine potenziellen Lektor*innen also im Vorfeld möglichst auch in einem Gespräch kennen, das wird dir die Entscheidung deutlich leichter machen.
Und ganz wichtig: Stell deine Fragen. Nur so findest du heraus, ob alles passt.
Ich hoffe, der Beitrag hat dir weitergeholfen, und wünsche dir nun ganz viel Erfolg auf der Suche nach dem*der passenden Lektor*in.
Schau auch für andere Themen rund ums Schreiben, Überarbeiten und Veröffentlichen von Romanen und Kinder- & Jugendbüchern gern wieder vorbei. Weitere Artikel sind bereits in der Pipeline und falls du selbst konkrete Themenwünsche hast, schreib mir einfach eine Mail an kontakt@hanna-baeumker.de. Ich freu mich, von dir zu lesen.
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Kostenlos und ganz ohne anschließende Verpflichtung.
Ich freu mich drauf, dich und deine Geschichte kennenzulernen!


